Naturfoto-Festival in Lünen 2014

Wie schon in den Jahren zuvor fand auch 2014 am letzten Wochenende im Oktober das Internationale Naturfoto-Festival in Lünen statt. Die GDT (Gesellschaft Deutscher Tierfotografen) ist Veranstalterin des Festivals und hatte auch dieses Jahr wieder namhafte NaturfotografInnen aus dem In- und Ausland mobilisiert. Aussteller bekannter Firmen präsentierten auf dem Fotomarkt alles von der kleinen Fotoschraube bis zum Teleobjektiv. Der Europäische Naturfotograf des Jahres 2014 wurde gekürt und zahlreiche BesucherInnen haben dafür gesorgt, dass die 762 Plätze im Hilpert-Theater wieder (fast) ausverkauft waren.


Das Festival

Dieses Jahr sollte Mathias und mein 10-jähriges Jubiläum sein, was das Naturfoto-Festival anbelangt; das Festival selbst fand zum 22. Mal statt und es waren, wie auch im vergangenen Jahr, Besucher aus 21 Nationen angereist. Nachdem wir kurz nach Start des Vorverkaufs unsere Karten bestellt hatten, hatten wir bis einen Tag vor Festivalbeginn ehrlich gesagt gar nicht mehr im Kopf, wer alles einen Vortrag halten würde. Bei einem Blick ins Programm stellten wir fest, dass uns viele Namen gar nichts sagten. Wir waren somit umso gespannter, was uns erwarten würde. In dem folgenden Beitrag möchte ich meine persönlichen Eindrücke und Ansichten mit euch teilen.


Der Freitagabend

Freitagabends fand die Preisverleihung und im Anschluss daran die Ausstellungseröffnung statt. Wie eigentlich jedes Jahr hatten wir es uns wieder fest vorgenommen, bei der Preisverleihung dabei sein, doch das hat staubedingt leider nicht geklappt. Immerhin kamen wir deutlich vor der Ausstellungseröffnung an und konnten gleich das ein oder andere Gespräch mit befreundeten Fotografen führen, die es auch nicht rechtzeitig zur Preisverleihung geschafft hatten. Bei der anschließenden Eröffnung trafen wir ebenfalls viele bekannte Gesichter, so dass wir selbst gut eine Stunde später immer noch kein Bild gesehen hatten. An diesem Abend haben wir dann auch nur einen kurzen Blick auf alle Bilder und einen etwas längeren auf den Gesamtsieger („Lebendige Felszeichnung“ von Neil Aldridge) werfen können – selbst nach mehreren langen Blicken konnte ich nicht viel mit dem Siegerbild anfangen. Erst vorhin, als ich für das Schreiben dieser Zeilen noch mal auf der GDT-Homepage war und das Siegerbild während eines Telefonats anschaute, fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich konnte endlich erkennen, was da eigentlich fotografiert worden war 🙂
Da ich mich die ganze Zeit unterhalten hatte, war mir gar nicht aufgefallen, dass sich bereits fast alle Besucher der Ausstellung in die Restaurants der Stadt aufgemacht hatten. Auch meine Wochenend-WG-Mitbewohner (Mathias, Sascha Rösner und Marco Hoffmann) standen schon hungrig um mich herum und warteten darauf, dass ich endlich mein Gespräch beendete.


Der Samstagvormittag

Am nächsten Morgen wurde das Festival vom Präsidenten der GDT, Michael Lohmann, eröffnet; die Begrüßung des internationalen Publikums übernahm Florian Möllers. Ich glaube, der Kulturdezernent hat sich sehr gefreut, als „king of culture“ betitelt zu werden. Sehr zur Freude des Publikums wurde, wie schon in so vielen Jahren zuvor, die weitere Moderation des Festivals von Markus Botzek und Florian Möllers übernommen.

Den ersten Referenten, Dieter Damschen, kündigte Markus Botzek als „einen der größten deutschen Naturfotografen“ an, um ihn anschließend nach seiner Größe zu fragen. Die beiden kennen sich schon sehr lange und in Damschens Anfangszeit (als er noch lange Haare und schwarze Klamotten trug) wurden er und Botzek als „Botzek und sein Indianer“ bezeichnet. Heute würden sie dagegen als „Damschen und der kleine Dicke“ bezeichnet werden. Ich denke, dass so ziemlich jeder weiß, dass Damschen seit Langem Kraniche fotografiert, und so war der Titel seines Vortrags „Und ewig ruft der Kranich“ (in Anlehnung an „Und immer lockt das Weib“) sehr passend. Er zeigte uns Zuschauern nicht seinen üblichen Vortrag, da der für „normale“ Leute ist, sondern präsentierte einen Einblick in das Leben eines Kranichfotografens. Er versuchte am Anfang der Frage auf den Grund zu gehen, warum Kraniche, die Vögel des Glücks, den Menschen so faszinieren. Ist es z.B. ihre Eleganz? Gezeigt wurde daraufhin das Bild eines plump anfliegenden Kranichs. Am Ende kam er zu dem Schluss, dass es halt einfach so ist. Die europäischen Kranich-Hotspots (Linum, Darß/Zingst/Günz, Hornborga-See in Schweden, Gallocanta in Spanien) und deren Fotomöglichkeiten wurden vorgestellt – meistens sehr kleine und teils schlecht konzipierte Holzverschläge, in denen man bis zu 16 Stunden ausharren muss. Die Geräuschkulisse, die dabei herrscht, illustrierte Damschen dabei sehr eindrücklich mit Tonaufnahmen. Bei ihm daheim gibt es ein Moor, in dem ebenfalls Kraniche vorkommen. Damschen besorgte sich eine Ausnahmegenehmigung und baute eine Art Liegeboot, das er am Rand des Gewässers verankerte. In einer Timelapse-Sequenz wurde uns Zuschauern vermittelt, wie schwierig das Einsteigen in das wackelige kleine Fotoversteck ist. Schließlich zeigte er noch tolle Bilder von Kranichen im Schnee, die er letzten März in Meck-Pomm gemacht hatte.
Es war ein toller Vortrag, der schöne Bilder, Informationen und einen recht humorvollen Blick hinter die Kulissen bot. Ein sehr gelungener Start!

Es folgte der Kanadier Garth Lenz mit seinem Vortrag „Vogelperspektive – Auf der Suche nach Schönheit in zerstörten Landschaften“. Interessant ist sein Werdegang: Er war Pianist, bevor ihn die Abholzung der kanadischen Wälder zur Fotografie brachte. Die Regenwälder in Patagonien findet er zwar am schönsten, doch die kanadischen Wälder sind die größten noch intakten Wälder der Erde. Lenz setzt seine Bilder, die er vor allem aus der Luft aufnimmt, für Naturschutzzwecke ein und erklärte, dass für ihn die Bilder die größte Wirkung haben, in denen intakte und zerstörte Natur gegenübergestellt werden. Bei den Bildern, die er dazu zeigte, muss ich ihm recht geben. Zentrales Thema des Vortrags war der Teersand-Abbau in Kanada, genauer gesagt in Alberta. Das hier liegende potentielle Abbaugebiet der Teersande ist so groß wie England! Lenz zeigte Bilder dieser Abbaugebiete aus der Vogelperspektive, und man konnte die Dimensionen eigentlich gar nicht begreifen. Auch der LKW, der sehr klein im Bild und doch um ein Vielfaches größer ist als die LKWs, die wir so kennen, ließ den Zuschauer nur erahnen, dass es sich um ein riesiges Gebiet handeln musste. Er erklärte, dass mit der geplanten Nutzug der Teersande das Abbaugebiet in wenigen Jahren nur noch 30 km von einem Ramsar-Gebiet [Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung], dem Peace-Athabasca-Binnendelta, entfernt ist, welches das größte boreale Delta der Welt ist. Da toxische Substanzen aus den Abwasserbecken in die umgebenden Gewässer gelangen, wird dies wahrscheinlich verheerende Folgen für die dort vorkommenden Brut- und rastenden Zugvögel haben. Schon jetzt hat man festgestellt, dass die Krebsrate der flussabwärts des Abbaugebiets lebenden Menschen deutlich erhöht ist. Aber zurück zu den Bildern: Es ist sher interessant, welche Faszination das „Verderben“ auf einen ausüben kann, wenn es entsprechend fotografiert wird. Lenz zeigte sehr ästhetische und graphische Bilder der Abwasserbecken mit den dazwischen liegenden Straßen. Er erklärte, dass er gerne zwei oder drei Bilder gegenüberstellt, die vom Aufbau her ähnlich sind, jedoch das Intakte auf der einen Seite und die Zerstörung auf der anderen Seite zeigen. Zum Abschluss seines Vortrags plädierte er dafür, dass man als Eltern und Fotograf versuchen sollte, den Kindern eine gesunde Welt zu hinterlassen.
Ich fand es gut, dass nach längerer Zeit mal wieder ein Vortrag mit einem Naturschutzthema präsentiert wurde. Markus Botzek machte nach dem Vortrag darauf aufmerksam, dass es im Internet diverse Petitionen gegen den Abbau der Teersande bzw. deren Einfuhr in die EU gibt, die man durch seine Unterschrift unterstützen kann.


Der Samstagvormittag – Teil 2

In den letzten Jahren haben wir uns immer alle Vorträge angeschaut und dabei gemerkt, dass zu wenig Zeit für Gespräche bleibt. Dieses Jahr sollte es anders werden und wir beschlossen, den Vortrag des Niederländers Jan van der Greef ausfallen zu lassen. Im Nachhinein stellte sich das als Fehler heraus, da es laut anderen Besuchern ein emotionaler Vortrag mit sehr guten Bildern war. Wenn van der Greef einen anderen Titel gewählt hätte, unter dem man sich etwas hätte vorstellen können, und nicht den etwas „esoterisch“ klingenden „Innenreflexionen – Meine fotografische Reise. Träume und Visionen des Lebens“ wären wir wohl auch reingegangen. So verbrachten wir die freie Zeit, um die Bilder in der Bilderhalle und die des ENJ anzuschauen.

Ein Vortrag, den wir uns aber auf keinen Fall entgehen lassen wollten, war die „DeutschlandSafari“ von Markus Botzek. Florian Möllers erklärte in seiner Ankündigung, dass Botzek ein Projekt hat, was sehr erstaunlich wäre, da dieser nicht der strukturierteste wäre. Auch Botzek ging darauf ein, dass es sein erstes Projekt ist, so dass er auch erst einmal zu Hornbach ging, denn deren Slogan ist ja „Mach es zu deinem Projekt“ (hierzu sah man ein Foto von Botzek mit Rucksack vor besagtem Baumarkt). Dort konnte man ihm aber nicht weiterhelfen. So zog er erst einmal vor seiner Haustür, dem Ruhrgebiet, los, um die „Wildnis“ zu finden (es gibt in Duisburg tatsächlich ein Areal, in dem die „Wildnis“ ausgeschildert ist!). Jeder, der schon mal in der Stadt mit großem Equipment fotografiert hat, weiß, dass die Leute viele Fragen stellen können, wie z.B. „Komm ich jetzt ins Fernsehen?“. Ein Gutes hätte es aber auch gehabt: Er war schon lange nicht mehr so umschwärmt gewesen (hierzu kam ein Bild, in dem Botzek viele attraktive junge Damen um sich geschart hatte). Seine Safari führte ihn quer durch Deutschland, u.a. auf die Insel Neuwerk und einige Halligen, an die Feldberger Seen und den Kaiserstuhl. Er verfolgt das Konzept, die Tiere auch mal kleiner im Bild zu zeigen, weil dies das Erleben der normalen Leute sei. Die Natur bestehe eben nich nur aus „formatfüllend“ und Highlights. So führen die BBC-Filme seiner Meinung nach dazu, dass die Leute in den Wald gehen und enttäuscht sind, wenn sie nicht nach 5 min den ersten Kill sehen. Er plädierte außerdem dafür, dass man als Fotograf nicht immer nur den tollen Bildern hinterherjagen sollte, sondern man soll wieder mehr Spaß am Erleben haben, auch wenn mal kein Bild dabei rauskommt. Des Weiteren idealisieren Naturfotografen die Natur, indem alles Menschliche aus den Bildern ausgeblendet wird. Normale Menschen denken dadurch, dass es Tiere nur noch in der Wildnis gibt; die in der Stadt vorkommenden Tiere werden gar nicht mehr wahrgenommen. Er ging auch darauf ein, dass im „Naturschutz“ von den Behörden oft falsche Entscheidungen getroffen werden, wenn z.B. intakte Natur zerstört und dafür eine völlig unsinnige Renaturierungsmaßnahme durchgeführt wird.
Insgesamt fand ich dies einen sehr gelungenen Vortrag. Es wurden jetzt vielleicht nicht die hochkarätigsten Bilder gezeigt, aber der Vortrag war auf der einen Seite sehr unterhaltsam, regte auf der anderen Seite aber auch zum Nachdenken an.


Der Samstagnachmittag

Auch dieses Jahr standen in der Mittagspause türkische „Traditionsgerichte“ auf dem Speiseplan, so dass wir sehr gesättigt in den Nachmittagsblock starteten. Diesen begann Matthias Breiter mit „Bären vor der Kamera. Biologe, Autor, Tierfotograf und Tierfilmer – das Vereinen mehrerer Berufe im Dienste des Naturschutzes“. In seinem Vortrag sollte er auf Bitte von Klaus Nigge (?) dem Publikum seinen Werdegang vom Fotografen zum Filmer näherbringen. Angefangen hat alles vor vielen Jahren, als Breiter in Heidelberg sein Studium der klassischen Biologie begann. Damals meinte ein Professor, dass alle, die Sielmann werden wollen, gehen sollen – er ist trotzdem geblieben. Nach seinem Studium verschlug es ihn nach Montana, um mit/über Bären zu arbeiten; letztendlich wanderte er nach Alaska aus, um ein Buch über Bären zu erstellen.
Um es kurz zu machen: Mir hat der Vortrag nicht sonderlich gefallen. Es ging sehr viel um, „dann habe ich dieses Buch gemacht und anschließend jenes“ und welche Preise er mit seinen Bildern gewonnen hat. Zusätzlich nannte viele Namen von Personen und Orten, die (zumindest mir) unbekannt waren, und die man sich auch nicht merken konnte. Auch war der Vortrag meiner Ansicht nach am Thema vorbei: Wirklich viele Bilder von Bären wurden nicht gezeigt, auf Naturschutz wurde nur am Rande eingegangen und auf die Filmerei ist er so gut wie gar nicht eingegangen. Breiter erwähnte am Anfang nur, dass, wenn man das Filmen lernen will, man am besten ein Seminar besuchen und zusätzlich noch mit professionellen Tierfilmern losziehen soll. Nicht sehr hilfreich. Außerdem hätte ich erwartet, dass zumindest am Ende des Vortrags ein kurzer Film gezeigt wird.

In der Mittagspause waren wir so schlau gewesen, einige Kurzbeschreibungen der noch kommenden Vorträge auf der GDT-Homepage zu lesen. Bei der Beschreibung des folgenden Vortrags war ich mir nicht sicher, in welche Richtung er gehen würde. Nachdem wir aber am Morgen schon einen guten verpasst hatten, wollte ich jetzt kein Risiko eingehen. So war ich gespannt, was der Mexikaner Patricio Robles Gil bei seinen „Extinction Rituals“ zeigen würde. Robles Gil setzt sich sehr für den Naturschutz ein und hat u.a. dafür gesorgt, dass der neunte „World Wilderness Congress“ in Mexiko stattfand. Nach diesem Kongress war er sehr frustriert, da er realisierte, dass wirtschaftliche Interessen immer höher stehen als der Naturschutz. So hat er auch zwei von ihm gegründete Naturschutzorganisationen nach Jahren aus Frustration geschlossen. Zeigte Robles Gil am Anfang noch „normale“ und sehr gute Bilder von diversen Schafarten, die er teilweise in den entlegensten Winkeln der Welt fotografiert hatte, oder Jaguaren, so präsentierte er im weiteren Verlauf die Bilder, mit denen er die Menschen wieder wachrütteln will. Und dazu bedient er sich des Bodypaintings. Zu Anfang zeigte er Bilder von Frauen, auf deren Körper ein Großkatzengesicht gemalt war und die sich „hinter Gittern“ befanden. Das fand ich persönlich recht eindringlich. Doch im weiteren Verlauf kamen Bilder, für die er sich für das Bodypainting ein bekanntes Gemälde oder eine Stilrichtung als Vorbild genommen hatte. Manchmal verfremdet er diese Bilder noch zusätzlich und/oder lässt das Bild auf Stein drucken. Für ein weiteres Bild hat er eine vom Aussterben bedrohte Delfinart mit dem Kopf im Schambereich auf eine Frau gemalt. Aus dem „Mund“ des Delfins lief Blut am Bein der Frau herab, was Robles Gil damit kommentierte, dass die Frau menstruierte.
Ich persönlich konnte mit den meisten Bildern nicht viel anfangen, da ich viele von ihnen nicht wirklich schockierend / wachrüttelnd fand, sondern zu künstlerisch und damit zu „schön“.


Der Abschluss des ersten Tages

Nach einer letzten Pause für diesen Samstag wurde der Publikumspreis überreicht. Die diesjährigen Siegerbilder waren alle sehr gut und für mich gab es keinen richtigen Favoriten. Publikumsliebling wurde dann auch ein Bild, das ich gar nicht auf dem Schirm gehabt hatte: „Gezeichnet“ von Marco Nagel.

Den Abschluss des ersten Tages bildete Christian Ziegler mit „Jungle Spirits – Bedrohte Arten aus dem Regenwald“. Vor einer Woche war er noch aufgedunsen und hatte Ausschlag am ganzen Körper, da er sich einen Wurm in der Schulter eingefangen hatte. Zum Glück hatte er sich davon wieder erholt. Er hielt als einziger Deutscher seinen Vortrag auf Englisch, mit der Begründung, dass die internationalen Gäste gar kein Deutsch, die meisten deutschen Zuhörer aber Englisch (zumindest teilweise) verstehen. Ob er sich damit Freunde gemacht hat? 😉 Der Fotojournalist Ziegler lebt am Panamakanal und arbeitet seit 10 Jahren für National Geographic. Im Laufe seiner Tätigkeit stellte er fest, dass die Öffentlichkeit viele Dinge, die erforscht werden, gar nicht erfährt, da es „nur“ in Fachzeitschriften veröffentlicht wird. Mit seinen Bildern will er dem breiten Publikum ökologische Zusammenhänge näherbringen.

In seinem Vortrag zeigte er uns Bilder zu vier verschiedenen Themen: Kannenpflanzen, Leben auf dem Balsa-Baum, Bonobos und Kasuaren. So lernten wir Zuschauer, dass manche Fledermäuse in Kannenpflanzen schlafen (dazu sah man das Bild einer angeschnittenen Kannenpflanze und die darin schlafende Fledermaus), Ameisen in den Stängeln mancher Arten kleine Kolonien bilden und größere tote Insekten aus der Kannenflüssigkeit holen. Die Ameisen sind inzwischen immun gegen die Verdauungssäfte der Kannenflüssigkeit, und würden sie die Insekten nicht rausholen, würde die Kannenpflanze aufgrund des Nährstoffüberschusses zugrunde gehen. Weiter ging es in die Krone des Balsa-Baums zur Blütezeit. Hier wurden uns tolle Bilder der Tiere gezeigt, die nachts die Blüten aufsuchen, um Nektar zu trinken. Ist schließlich die Frucht daraus geworden, dient diese als Nahrung für Papgeien und die Fasern der Frucht dienen Kolibris zum Nestbau. In einem kurzen Exkurs ging es zu den Bonobos, mit denen die meisten von uns wahrscheinlich Sex verbinden. Ziegler erklärte uns, dass fast alle Erkenntnisse über Bonobos aus Zoos stammen, über das Verhalten in freier Wildbahn ist wenig bekannt. Man hat jedoch festgestellt, dass die Affen in Freiheit deutlich weniger Sex haben als im Zoo. Bonobos sind gefährdet, da sie als bush meat gejagt werden, allerdings nicht für den Eigenbedarf, sondern um es nach Paris, Brüssel etc. zu verkaufen. Den Abschluss bildeten die Kasuare, von denen nur noch rund 1500 Individuen in Australien leben. Neben Fakten (z.B. knallgrüne Eier von etwa 500 g, die 2 Monate bebrütet werden, jeder Fuß trägt einen 15 sm langen Nagel) erfuhr der Zuschauer, dass neben Landzerstörung und Autoverkehr „feral pigs“ [meinte er damit nun Wildschweine oder verwilderte Schweine?] eine große Gefahr darstellen, da sie Nahrungskonkurrenten sind und die Eier zerstören. Am Ende seines Vortrags rief Ziegler dazu auf, seine eigenen Bilder für den Naturschutz einzusetzen.
Ich fand den Vortrag sehr gelungen, da die Mischung aus tollen Bildern, interessanten ökologischen Zusammenhängen gepaart mit einem Naturschutzgedanken genau meinem Geschmack entspricht.


Der Sonntagvormittag

Wie schon in den vergangenen Jahren begann das Vortragsprogramm am Sonntagmorgen mit einer Regionalgruppe; diesmal war es die Regionalgruppe 11 / Nordhessen mit „Vielfalt Natur – Ein Streifzug durch Nordhessen“. Anja Gieseler, die zusammen mit Marko König die Regionalgruppe leitet, hielt eine schöne Einleitung. Zusammenfassend ging es darum, dass man sich bei der Erstellung des Vortrags überlegt hat, dass von allen Mitgliedern der Gruppe Bilder gezeigt werden sollen, sowohl von den Anfängern als auch von den Profis, da das „Wir“ die Gruppe ausmacht und der Anfänger von heute vielleicht der Profi von morgen ist. Dieser Ansatz fand beim Publikum große Unterstützung und wurde mit Applaus belohnt. Leider fügte Gieseler im Nachsatz noch hinzu, dass man nicht allzu enttäuscht sein soll, wenn ein Bild mal kein „Wettbewerbsbild“ ist, und hat dadurch meiner Meinung nach die gelungene Einleitung etwas kaputt gemacht. Der von Musik untermalte Vortrag war nach Lebensräumen unterteilt (Wälder, Seen,…) und wir sahen wirklich eine enorme Vielfalt der hessischen Natur. Das Licht war vielleicht nicht immer das beste, dies wurde jedoch durch tolle Szenen wieder wettgemacht. Des Weiteren wurden einige kurze Filmsequenzen gezeigt, so z.B. von einer Wildkatze, die von einem Reh gejagt wurde.
Mir, und, wie man an den Reaktionen der Zuschauer während des Vortrags und am Abschlussapplaus feststellen konnte, auch dem Publikum hat dieser Vortrag gefallen, weil er in seiner Gesamtheit stimmig war. Noch eine kurze Anmerkung zur Musik: Wie bei fast allen musikunterlegten Vorträgen der Vergangenheit wurde auch hier leider beim Einblenden der Bilder nicht richtig auf den Takt geachtet. Und wie Markus Botzek am Ende sagte: „Wer Metallica anspielt, muss es auch durchziehen.“

Im Anschluss gab es eine Programmänderung: Thomas Block zeigte seinen für den Nachmittag geplanten Vortrag „Florida – More than birds. Von Federschmuck, Flüssen aus Gras, Sirenen und dem Kampf ums Wasser“ bereits jetzt. Bei der Ankündigung erklärte Botzek dem Publikum, dass Block – im Gegensatz zu ihm – sehr strukturiert ist und seit Jahren sehr intensiv das Projekt „Florida“ bearbeitet. Er hat sogar extra für dieses Projekt Tauchen gelernt, um alle Facetten Floridas zeigen zu können. Der Vortrag war eine sehr unterhaltsame Mischung aus Fotos und Filmen (teilweise mit einem Quadrokopter aufgenommen) kombiniert mit interessanten Geschichten. Wie im Titel angekündigt, wurden nicht nur Vogelbilder gezeigt, sondern z.B. auch Unterwasserbilder der Korallenriffe und Manatees, Landschaftsbilder und Making ofs. Block ging aber auch auf die Einflüsse des Menschens und die damit verbundenen Probleme ein. So fallen die auf den Keys lebenden Hirsche oft dem Verkehr zum Opfer, aus Meeresschildkröten müssen immer wieder Angelhaken entfernt werden und der hohe Wasserverbrauch in der Landwirtschaft beeinflusst das ökologische Gleichgewicht der Everglades, des Flusses aus Gras.
Insgesamt war es ein sehr gelungener Vortrag, der tolle Bilder zeigte, informativ war und dem Zuschauer auch einen Blick hinter die Kulissen des Fotografenlebens lieferte.

Dieses Jahr bestand der erste Block aus drei Vorträgen, und so sahen wir nun den Briten Neil Aldridge mit „Mein Afrika“. Aldridge ist in Südafrika aufgewachsen und hat dort eine Ausbildung zum Wildlife Guide absolviert. Nach seiner Rückkehr nach England hat er sich weiterhin im Naturschutz engagiert und arbeitet heute, ebenso wie Ziegler, als Fotojournalist. Er erzählte uns Zuschauern von seiner fotografischen Entwicklung anhand von in Afrika entstandenen Bildern. Zu Beginn fotografierte er hauptsächlich Porträts aus dem Auto heraus, später ist er dann ins Boot gestiegen oder war zu Fuß unterwegs, um vom Boden aus zu fotografieren. Er nahm seine Fotomotive nun auch kleiner auf, um das Tier in seiner Umgebung zu zeigen. Die Steigerung waren dann Weitwinkelaufnahmen. Zu allem zeigte er entsprechende Bilder. Auch uns Zuschauer forderte er auf, öfter einmal neue Perspektiven auszuprobieren. Aber mal unter uns: Wir wissen doch alle, dass Bilder auf Augenhöhe aufgenommen werden sollten, egal, ob das Motiv ein Tier oder eine Pflanze ist. Und in den meisten Nationalparks in Südafrika und Namibia führt das Aussteigen aus dem Wagen, um auf Augenhöhe mit Löwen und Co. zu kommen, im günstigsten Fall dazu, dass man sich entweder an der „Wall of Shame“ wiederfindet oder gleich des Nationalparks verwiesen wird. Doch zurück zum Vortrag: Er erklärte den Zuschauern auch, dass, wenn man kommerziell arbeitet, man Raum um das Motiv lassen sollte, damit ein Titel oder Text eingefügt werden kann. Dazu zeigte er einige Bilder bevor und nachdem sie in einem Magazin etc. abgedruckt wurden. Im Moment beschäftigt er sich mit Nashörnern, die sehr intensiv gewildert werden, um an ihr Horn zu kommen. In einigen Nationalparks geht man deshalb jetzt schon so weit, die Hörner prophylaktisch zu entfernen, damit sie kein Ziel mehr für Wilderer sind.
Aldridge hat in seinem Vortrag durchaus gute Bilder gezeigt und in Ansätzen den Naturschutzgedanken rüber gebracht, doch mir persönlich ging er etwas zu sehr auf die kommerzielle Nutzung seiner Bilder ein.


Der Sonntagmorgen – Teil 2

Den ersten Vortrag nach der Kaffeepause, der des Briten David Ward, ließen wir ausfallen, da uns der Titel „Über die Farben – Die Sprache der Träume“ nicht sonderlich ansprach. Da ich auch keine Meinungen der Fotografen gehört habe, die den Vortrag besucht haben, kann ich somit nichts dazu schreiben.

Einen Vortrag, den wir uns aber auf keinen Fall entgehen lassen wollten, war der von Stefan Christmann. Hier gab es kurzfristig einen Themenwechsel: War im Flyer noch ein Vortrag über die Arktis angekündigt, so wurde uns jetzt „Wohnsitz Antarktis – 15 Monate leben am Ende der Welt“ gezeigt 😉 Christmann ist Physiker und verbrachte 15 Monate als Überwinterer auf der deutschen Antarktisforschungsstation Neumayer III. Er nahm uns mit auf eine spannende (und mit Bildern toll dokumentierte) Reise, die mit der Stellenanzeige im Internet begann und mit dem Heimflug endete. Dazwischen lag eine aufregende Zeit mit „Trockenübungen“ in Kapstadt, dem Flug in die Antarktis in einer russischen Transportmaschine und natürlich den Monaten auf der Station. Wir erfuhren, dass im Sommer 40-50 Leute auf Neumayer III leben, jedoch nur neun Personen überwintern – von diesen sei der Koch die wichtigste. Christmann zeigte auch immer wieder Filmsequenzen, so z.B. vom Anflug in die Antarktis – hierfür hatte er den Film aus der Flugzeugkamera bekommen. Er verbrachte viel Zeit in einer Kaiserpinguinkolonie und hat das Leben eines Pinguins vom Ei bis zum erwachsenen Tier begleiten können. Dabei zeigte er berührende Bilder der Beziehung von Eltern und Küken, machte aber mit anderen Bildern klar, dass das Überleben in der Antarktis hart ist und immer wieder Küken erfrieren. Die grandiosen Landschaftsbilder zeigte er mit Musikuntermalung – und ja, die Antarktis ist mehr als eine weite trostlose Eiswüste. [Leider war auch hier beim Einblenden der Bilder nicht ganz auf den Takt der Musik geachtet worden.] Alle Bildern, sei es Landschaft oder Pinguine, hatten eins gemeinsam: Die fantastischen Lichtstimmungen. Am Ende des Vortrags erzählte Christmann, dass er oft gefragt wird, ob er es wieder machen würde. Die Frage hat er jedoch nicht abschließend beantwortet.
Es war ein sehr unterhaltsamer und informativer Vortrag, kombiniert mit erstklassigen Bildern – für mich der beste Vortrag des Festivals und so gab es auch teilweise Standing Ovations.
Amüsant war eine Unterhaltung, die ich beim Verlassen des Saals aufgeschnappt habe. Sinngemäß: Zuschauer 1: „Toller Vortrag!“ – Zuschauer 2: „Ja, und endlich mal wieder einer, den man verstanden hat.“


Der Sonntagnachmittag

Nach der Mittagspause, die wiederum im Zeichen der türkischen Küche stand, ging es bei den Vorträgen auf die Zielgerade. Den vorletzen Vortrag des diesjährigen Festivals präsentierte der Brite Danny Green mit „Papageitaucher in neuem Licht“. Dieser Vortrag wurde von Florian Möllers übersetzt, da das Englisch von Green schwierig zu verstehen sei. Ehrlich gesagt fand ich dessen Englisch aber auch nicht schwieriger zu verstehen als das der anderen englischsprachigen Referenten. Dies war ebenfalls ein Vortrag, auf den wir uns gefreut hatten, da wir wissen, dass Green ein guter (Vogel)Fotograf ist. Und wir wurden nicht enttäuscht. Green erzählte, dass er einen Sommer lang Papageitaucher fotografiert und die Bilder anschließend zu National Geographic geschickt hat. Zurück bekam er einen Einzeiler, aus dem hervorging, dass Nat Geo nicht beeindruckt war. Nach ein bisschen Recherche hat Green dann festgestellt, dass er die gleichen Bilder gemacht hat wie schon unzählige Fotografen vor ihm. So nahm er sich vor, die Biologie der Tiere verstehen und in Bildern festhalten zu wollen. Aus diesem Grund verbrachte er vier Wochen auf einer einsamen Insel mit einer Papageitaucherkolonie. Heraus kamen Bilder mit tollen Lichtstimmungen. Sein Portfolio schickte er wieder zu Nat Geo und bekam erneut einen Einzeiler – die Bilder wären zwar gut, aber es würde noch nicht ausreichen. So fuhr er nach Island und suchte dort verschiedene Kolonien auf. Dabei stellte er fest, dass es den isländischen Papageitauchern schlecht geht. Sie werden noch immer gejagt, da manche Touristen der Meinung sind, sie müssten während ihres Islandaufenthaltes Papageitaucherfleisch probieren. Hinzu kommt, dass der Bruterfolg aus diversen Gründen abnimmt. Er konnte jedoch sein Portfolio erweitern, z.B. mit Papageitauchern im Schnee. Letztendlich hat er festgestellt, dass es bisher nur sehr wenige Bilder der Vögel auf dem Meer gibt, obwohl sie doch den Großteil ihres Lebens dort verbringen. Also baute er sich ein Floating Hide (und das, obwohl er nicht schwimmen kann) und ließ sich aufs Meer ziehen. Dort trieb er zusammen mit den Vögeln in der Strömung und konnte außergewöhnliche Bilder machen. In den fünf Jahren, in denen er sich mit dieser Vogelart beschäftigt hat, hat er über eine Millionen Bilder geschossen! [Da soll mir noch mal einer sagen, dass ich zu viele Bilder mache ;-)] Außerdem konnte er ein einzigartiges Verhalten, das bisher nur aus der Literatur bekannt ist, fotografisch festhalten: Vor dem eigentlichen Balzverhalten lässt das Männchen seine Flügel vibrieren. Als Belohnung für sein Durchhaltevermögen hat National Geographic die Bilder schließlich abgedruckt.
Auch dies war ein unterhaltsamer, informativer Vortrag mit sehr guten Bildern und der Beweis dafür, dass sich Ausdauer bezahlt macht.

Den letzten Vortrag des Tages hielt der Niederländer Jasper Doest, der mit Thomas Block getauscht hatte. Wir hatten überlegt, bereits vor diesem Vortrag zu fahren, um nicht allzu spät daheim zu sein, doch eine sehr überzeugende Fotografin hat uns zum Bleiben animiert. So sahen wir also „Und die Erde war wüst und leer … – Reflexionen auf einer Insel“. Bei der Ankündigung erklärte Botzek, dass Doest auf Norwegisch Depp heißt und „Duscht“ ausgesprochen wird – er hoffte, dass es kein nasser Vortrag wird. Botzek dagegen heißt auf Polnisch, etwas anders ausgesprochen, Bauchspeck. Doests Vortrag wurde von einem befreundeten Gitarristen begleitet. Nachdem man die technischen Schwierigkeiten in den Griff bekommen hatte, begaben wir uns mit Doest nach Rottumeroog, einer abgelegenen und unbewohnten Insel im niederländischen Wattenmeer. Dort fand er die Flaschenpost eines kleines Mädchens und beantwortete mit seinem Vortrag ihre darin gestellte Frage (der Zuschauer musste sich jedoch selbst überlegen, was das Mädchen wohl gefragt hatte). Er erzählt ihr von der Einsamkeit auf dieser Insel und seinen Erfahrungen in der Wildnis, denn diese Insel ist das letzte Stück Wildnis in Holland. Dazu zeigte er sehr schöne Landschaftsbilder, die alle sehr besondere Lichtstimmungen hatten. Auch die Untermalung mit der Gitarre hat sehr gut zu diesem gefühlvollen Vortrag gepasst.
Einen besseren Vortrag als Ausklang hätte man sich nicht wünschen können, und ich war froh, dass wir noch geblieben waren.

Wie bereits im letzten Jahr gab es zum Abschluss eine kleine Präsentation der GDT: Gezeigt wurden Bilder vom Aufbau der Ausstellungen, der Eröffnung, der „After Show-Party“ und vieles mehr. Anschließend wurde das Publikum von Michael Lohmann verabschiedet. Die Leiter aller 15 Regionalgruppen sowie der Jugendgruppe wurden auf die Bühne gebeten und wir wunderten uns schon, warum Marcel Schäfer darunter war. Lohmann informierte uns darüber, dass der momentane Leiter der Jugendgruppe aufgrund seines Alters die Jugendgruppe verlassen muss und nun Jan Piecha und Hermann Hirsch diese Aufgabe übernehmen. Die große Überraschung war, dass es eine neue Regionalgruppe geben wird, und zwar in der Schweiz. Das erklärte auch die Anwesenheit von Marcel Schäfer auf der Bühne, der zusammen mit Daniel Schlenker die RG leiten wird. [Ob sich die GDT wohl irgendwann in GET, Gesellschaft europäischer Tierfotografen, umbenennen muss? ;-)] Den RG-Leitern wurde für ihre Arbeit mit einem Buch gedankt – die beiden Schweizer erhielten eine Tafel Toblerone; sie müssen ja erst noch arbeiten. So ging schließlich auch dieses 22. Naturfotofestival zu Ende.


Fazit

Was ich dieses Jahr besonders auffällig fand, war, dass in sehr vielen Vorträgen Videosequenzen eingebaut waren. Das liegt wohl daran, dass man inzwischen mit vielen DSLRs auch filmen kann. Ich finde das eine gute Idee, neben den ruhigen Bildern auch ein paar bewegte einzubauen. Das Rein- und Rauszoomen bzw. Hin- und Herfahren im Bild, was in den letzten Jahren eigentlich in fast jedem Vortrag vorkam, gab es dieses Jahr so gut wie gar nicht.
Mir fiel auch auf, dass dieses Jahr fast alle Vorträge gesprochen wurden, musikuntermalte „Bildershows“ waren die Ausnahme. Die Vorträge sind zwar informativer, aber als Zuschauer muss man sich ziemlich konzentrieren, insbesondere wenn der Großteil der Vorträge auf Englisch ist. Eine Mischung, egal, ob innerhalb eines Vortrags oder zwischen den Vorträgen, wäre für uns Zuschauer sicher etwas entspannender.
Apropos Englisch: Dieses Jahr wurde das erste Mal komplett (bis auf den Vortrag von Danny Green) auf Übersetzungen verzichtet, da man davon ausgeht, dass der Großteil der deutschen Fotografen zumindest ansatzweise versteht, worum es geht, und die ständigen Unterbrechungen für den Vortragenden nicht schön sind. Für die jüngere Generation ist das sicher kein Problem, doch ich habe immer wieder mitbekommen, dass sich Zuschauer darüber beschwert haben, dass so viele Vorträge (mehr als die Hälfte) auf Englisch sind.

Alles in allem fand ich dieses Jahr wieder besser als das letzte. Es waren einige Vorträge dabei, die zeigten, dass es sich lohnt, ein Thema, sei es ein Gebiet, eine bestimmte Tierart oder auch ökologischen Zusammenhänge, lange zu bearbeiten, damit gute und teilweise besondere Bilder herauskommen. Das Aufsuchen eines Ortes/einer Art an unterschiedlichen Tagen, zu den verschiedenen Jahrszeiten und/oder an verschiedenen Orten führt dabei zu einer großen Vielfalt an Bildern. Auch muss man nicht unbedingt in die entlegensten Winkel der Welt reisen, sondern kann ebenso gut innerhalb von Deutschland oder zumindest Europa ein Thema finden, mit dem man sich über Jahre hinweg beschäftigen kann. Zusätzlich wurde endlich wieder bewiesen, dass tolle Fotos auch ohne viel technisches Equipment (ohne zig Lichtschranken und Blitze etc.) gemacht werden können. Ich denke, dass diese Botschaften für jeden Fotografen motivierend sind und alle sich mit der gezeigten Art der Fotografie identifizieren können. Wie auch letztes Jahr gab keinen einzigen Vortrag, bei dem das komplette Publikum aufstand – Ansätze für Standing Ovations sah man jedoch bei Stefan Christmann.

Wir werden sicher nächstes Jahr wieder dabei sein, wenn es heißt „Auf nach Lünen“! Von einer gut informierten Quelle habe ich erfahren, dass es bereits vier potentielle Referenten für das Jahr 2015 gibt. Wenn diese tatsächlich kommen, können wir uns schon jetzt auf tolle Vorträge mit erstklassigen Bildern freuen.


Dies und das

Bei den Vorträgen gab es dieses Jahr etwas Neues: Es gab eine Vorschau für den nächsten Vortrag. Neben Profilbild und Namen des Fotografen stand dort der Titel des Vortrags auf Deutsch und auf Englisch. Eine schöne Idee, so musste man nicht immer das Programm rauskramen, um dort nachzuschauen.
Hatte ich letztes Jahr noch geschrieben, dass es eine neue Homepage geben wird, so hat diese die alte Version Mitte Oktober (?) 2014 abgelöst. Ich finde diese gut gemacht (sowohl von den Farben als auch von der Strukturierung), allerdings ist es mir immer wieder passiert, dass ich, wenn ich etwas in der oberen grünen Zeile anklicken wollte, mit der Maus in die schwarze Zeile gerutscht bin und sich dabei der große weiße Kasten geöffnet hat. Wenn man am Laptop ohne Maus arbeitet, benötigt man einige Wischer über das Mousepad, um da wieder rauszukommen. Schade finde ich auch, dass bei den Siegerbildern nicht zumindest der deutsche Text und die technischen Daten zusätzlich zum Namen des Fotografens und zum Bildtitel angegeben sind. Gibt es hierfür technische Gründe?
Die Namensschilder haben sich nun im dritten Jahr durchgesetzt, was ich prima finde. So konnte man wieder einige Leute, die man nur aus dem Internet kennt und deren Profilbild z.B. eine Eidechse ist, endlich mal in live treffen. Die Halter der Namenschilder würden sich auch sehr gut für die Aufbewahrung der Eintrittskarten eignen! Ich habe einige Leute gesehen, die ihre Karte da rein gesteckt haben, stellte aber beim Selbstversuch fest, dass die Karten ein paar mm zu hoch sind und man sie deswegen etwas umknicken muss. Wenn man die Eintrittskarten an das Format der Namensschilder anpassen könnte, wäre das optimal.
Schön war auch, dass die Bilderhalle nun zum dritten Mal ein Bestandteil des Festivals war (hier wurden über 500 Bilder gezeigt) und auch das Bilderzelt, in dem verschiedene Vorträge der vergangenen Jahre gezeigt werden, war wieder aufgebaut. Beim Anschauen der Bilder wurde uns eins bewusst: Schärfe wird überbewertet! Wenn man sich manche Bilder etwas genauer anschaute, sah man, dass der Schärfegrad einiger Bilder doch recht fragwürdig war, und man sie bei einem selbst wohl in der Rundablage gelandet wären. Zusätzlich sahen andere aus wie Zufallsprodukte, z.B. wenn man einen Vogel auf einem Ast fotografiert und gerade in dem Moment auslöst, in dem der Vogel abfliegt. Der Vogel ist zwar nicht scharf, aber es sieht halt nett aus. Ich glaube, diese Herangehensweise muss ich mir in Zukunft zu Herzen nehmen 🙂
Zusätzlich gab es auch wieder Bilder im Freien und es ist erstaunlich, wie knackscharf Bilder aussehen können, die auf grobem Gewebe gedruckt sind. Sehr amüsant war ein Gespräch zwischen einem recht betagten Ehepaar, die vor Dieter Damschens Panorama  von Kranichen am Schlafplatz standen. Beide rätselten eine Weile, was da wohl abgebildet ist, bis schließlich die Ehefrau die zündende Idee hatte: Flamingos! Es sind Flamingos! Sie erklärte ihrem Mann auch noch, warum diese denn jetzt nicht rosa sind, sondern grau. Vielleicht hätte man ein Schildchen befestigen sollen 😉
Neu war, dass dieses Jahr 2 große Bilder in der Stadt aufgehängt waren: Ein 12 m hoher Mammutbaum hing an der Kirche und ein 32m langer, aus Menschen geformter Blauwal (von Patricio Robles Gil) hing am Marktplatz. Bei letzterem handelt es sich um das größte ausbelichtete Natur(?)foto der Welt und es brauchte einige Korrespondenz mit dem deutschen Zoll, bis es endlich in Lünen hängen konnte.
Ich bin schon gespannt, welche Ideen nächstes Jahr umgesetzt werden!

Herzlichen Dank an Mathias Schäf für das Korrekturlesen und die Unterstützung beim Erstellen der Fotos !

 

Eine Antwort auf Naturfoto-Festival in Lünen 2014

  • Winfried Wisniewski sagt:

    Hallo Christine,
    ein sehr gelungener Bericht über das diesjährige Festival. Ich stimme in der Einschätzung der meisten Vorträge mit Dir überein. Lediglich den Vortrag von Christian Ziegler habe ich nicht so gut gesehen, vor allem, weil er der Zielsetzung nicht gerecht wurde. Warum haben wir uns nicht gesprochen?
    Alles Gute, auf ein neues in 2015 in Lünen,
    Winni

Kommentar verfassen